Alpenüberquerung 2012 

vom Tegernsee zum Gardasee


Bis zum Horizont und weiter…  Ein Bericht von Gerd Krause

 

Bereits im Jahr 2009 überquerte Andrea von Kienlin mit einer kleinen Gruppe guter Freunde die Alpen vom Tegernsee zum Gardasee. Die grandiosen Eindrücke dieser Reise veranlassten sie, eine Gruppe erfahrender Wanderreiterinnen mit ihren Vierbeinern zur Alpenüberquerung unter der Schirmherrschaft des VFD-Bayern vom 18.08.12 – 03.09.12 einzuladen.

 

Was diese Tour jenseits allerüberraschenden Fakten zu einem unvergesslichen Reitgenuss machte, darüber möchte ich berichten.

Unsere Pferde sammelten sich am Abend vor dem Abritt auf der Koppel vor der kleinen Kapelle am Handhof der Familie Bierschneider in 83708 Kreuth. Beim gemeinsamen Abendessen lernte sich die Gruppe kennen. Die jüngste Teilnehmerin war 15 und der älteste Teilnehmer 68Jahre.

 

 

Letzte Instruktionen über Sicherheit, Strecke, Unterkünfte und Pausenregelung wurden von Andrea an uns weitergegeben. Begleitet wurde die Gruppe von Dieter Mayr-Kesselring mit seinem Trossfahrzeug bis Meran. In Meran fand dann ein Wechsel statt; ab hier übernahm Andreas von Kienlin das Trossfahrzeug.

Am 18.08.12 gegen 7 Uhr war es soweit. Vor uns lagen 14 Reittage mit ca. 500 Reitkilometern und gut 8500Höhenmeter im zum Teil hochalpinen Gelände. Nochmals ein letzter Check, Sattelzeug, Hufe und Zäumung werden überprüft und das Tagesgepäck wurde fachgerecht am Sattel verschnürt.  Unsere Pferdedrängelten ein wenig, sie wollten los. Dann war es soweit, ein letzter Blick zurück, so tauchten wir ein.

Das Mangfallgebirge, der Achenpass und schon sind wir in Österreich, so dachten wir, aber die Strecke will erst einmal geritten sein. Gegen Mittag wurde die Gruppe durch einen Zwischenfall wachgerüttelt. Auf einer Gebirgsbrücke, mit einer glatten Betondecke sahen wir plötzlich wie der Haflinger Wallach Spirit mit der Hinterhand weg rutschte und einige Meter über die Betondecke schlitterte und Manfred der Reiter wurde mitgerissen. Pferd und Reiter schienen ineinander verknotet zusein.

Unsere Gruppe teilte sich spontan. Die einen waren sofort bei Pferd und Reiter, und die anderen sicherten die Gruppe der Pferde. Mit ein paar oberflächlichen Schürfwunden konnten Pferd und Reiter die Reise fortsetzen. Jedoch wachgerüttelt waren wir, was uns zeigte das Achtsamkeit  und Konzentration nachlässt, wenn alles so scheinbar gut läuft. Am späten Nachmittag erreichten wir unser erstes Etappenziel, Brandenberg in Österreich. Gut 48 km und ca. 700Höhenmeter, für den ersten Tag eine gute Leistung.

 

Der erste Wanderreittag ist immer von besonderer Bedeutung. Die Pferde sortieren sich und die Gruppe formiert sich. So war das auch bei uns. Andrea übernahm die Führung an der Spitze und ließ sich je nach Situation zurückfallen, so dass die nachfolgenden Vierbeiner-die beiden Vollblutaraber Maranello und Myztiqual immer wieder kurzfristig das Tempo bestimmten und die Führung übernahmen. Mein Muli Paco orientierte sich vom Anfang an Maranello, den er so ist zu vermuten, noch vom Vorjahr von einemgemeinsamen Trentinoritt her kannte. Im Mittelfeld der Gruppe waren überwiegend die Stute Birdie und der Criollowallach „Rodado“, gefolgt vom Haflingerwallach„Spirit“ und dem Maremmawallach „Nelson“ zu finden.

Und am Ende sicherte der Quarterwallach „Potter“ mit Festus im Sattel die Gruppe nach hinten ab. Diese Reihenfolgeblieb fast stabil bis zum letzten Tag.

 

Der zweite Tag begann mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen und unsere Pferde nahmen wieder ihren Stellenwert ein. Verteilung von Kraftfutter, Frühstücken, putzen, satteln und los. So tauchten wir ein in den Wald. Es war schon bei Sonnenaufgang sehr heiß. Inntal, Zillertal, die Zillertaler Alpen bis Stumm. Auch die heutige Strecke belief sich auf gut 40 km.  Andrea achtete darauf, dass unsere Pferde nicht zu kurz kamen. So fand sie immer wieder einen stillen Pausenplatz und das Kaugeräusch unserer Pferde wirkte sich beruhigend auf uns aus. Das Zillertal mit seinem Hauptkamm ist als Ruhegebiet und Naturpark ausgewiesen, um Pflanzen und Tiere nachhaltig zu schützen.  Die Wegbeschaffenheit war mal weich und grün und dann wieder geröllartig mit Stufen und Steinen.

Am späten Nachmittag war es soweit, unser Tagesziel Stumm wurde erreicht und wir gönnten uns je nach Geschmack ein kühles Getränk und am Abend ließen alle – und ich schließe unsere Pferde mit ein - die Seele baumeln.

 

Ausgeruht saßen wir am anderen Tag in der Frische des  Morgens wieder im Sattel und es dauerte ein wenig bis unsere Vierbeiner ihre optimale Betriebstemperatur erreichten.

Das Bergsteigerdorf Ginzling war unser heutiges Etappenziel. Gelegentlich kamen uns   Wanderer entgegen. Sie grüßten und wollten wissen wohin und woher und gute Wünsche wurden uns nachgerufen. Und am Ende des Tages in Ginzling waren es dann doch wieder gut 38 Kilometer die zusammenkamen.

Unsere Pferde wurden auf einer 3Kilometer entfernten Rinderkoppel untergebracht. Der Weg

dorthin führte uns durch eine Baustelle und schweres Gerät versperrte den Weg. Andrea verhandelte geschickt mit dem Baggerführer und nach einer kurzen Pause durften wir durch. Es wurde schon dunkel als wir uns von unseren Pferden verabschiedeten und unsere Unterkunft beim Zemmtalerwirt aufsuchten. Hier wartete Ines Riegler auf uns, eine Ginzlinger Künstlerin und leidenschaftliche Wanderreiterin. Sie hatte Andrea mit Rat und Tat bei der Suche der Unterkünfte unterstützt. Gerne wäre sie mit uns geritten aber ihre Planung sah anders aus.

 

Es war Tag vier und Andrea mahnte zur Eile, so saßen wir schon etwas früher im Sattel, und die Morgenkühle kam unseren Pferden entgegen.

Den Zillertaleralpen kehrten wir langsam den Rücken und genossen den Ausblick auf den Schlegeisspeicher, der eingebettet zwischen den 2000 Tausendern und 3000 Tausendern liegt.

Bevor es nun durch den Zamergrund zum Pfitscher Joch hoch ging. Am Zamsgattel wurden wir vom Kioskbesitzerherzlich begrüßt und zugleich mit einem hochprozentigen Kräuterlikör auf den Weg geschickt. Andrea drängte weiter.  Festus  dagegen wäre wohl noch gerne geblieben, denn er schaute traurig den leeren Likörgläsern hinterher.

Beim Aufstieg zum Joch wurde uns klar warum man hier einen Stausee errichtet hatte. Von allen Seiten strömte Wasser, mal über Rinnsale und dann wieder in kräftigen Sturzbächen und zwischendurch über all kleine Seen. Der überwiegende Teil unserer Pferde liebte das Wasser und sie drängelten in die kleinen Seen. Nur Muli Paco liebte es eher trocken und machte sich nur wenn es sein musste die Füßchen nass.

Dann endlich waren wir oben am Pfitscher Joch auf 2251 m, und die Alm war bewirtschaftet. Bei Andrea verflog die Eile, heiße Schokolade und ofenwarmer Kuchen waren angesagt, darum also diese Eile, denn das Wetter zeigte sich weiter gut.

Am frühen Abend erreichten wir unser Nachtquartier in Innerpfitsch Tirol/Italien.

 

Der folgende Tag führte uns durch das Pfitscher Tal Richtung Sterzing, ein Gebiet das von starken Unwettern gezeichnet war.

Schlammlawinen haben Baumriesen wie Streichhölzer in die Tiefe gerissen. Von den Berghängen sind autogroße Felsbrocken in die Tiefe gestürzt und haben mancherorts Strassen und Brückenzerstört. Vielerorts begegneten uns Bagger und schweres Gerät. Wir unterquerten mehrere Autostrassen und unsere kleineren Vierbeiner bückten sich sehr geschickt. Sie machten sich noch kleiner bei einer Durchgangshöhe von maximal1.80 m. Nur die größeren Kollegen gingen in die Verweigerung. Wir sattelten ab und wieder auf  und zogen weiter, vorbei an der Burg Rechenstein, wo im Mittelalter Reiter und Pferdefuhrwerke Wegzollbegleichen mussten. Heute erledigen dieses einträgliche Geschäft die Mautstellen, und Pferde und Reiter werden verschont. Am späten Nachmittag kamen wir  in Pardaun an, unser Nachtquartier.Das Wetter hatte gehalten, doch weit hinten im Tal entluden sich die Wolken und grüßten uns mit einem Regenbogen am Horizont. Unsere Pferde genossen das saftige Grün und wurden zum Teil für die Nacht in Regendecken gehüllt.

 

Am anderen Morgen schliefen alle etwas länger denn hier legten wir einen zusätzlichen Ruhetag ein. Am frühen Abend bekamen wir Besuch von Manfred Gelf, dem Tiroler VFD Wanderrittführer und Buchautor.

Er inspizierte unsere Pferde und die Ausrüstung und tauschte Tipps und Anregungen für die kommenden Tage mit Andrea aus.

 

Tag Sieben und der Himmelverdunkelte sich. Schon die Nacht war durch Donner und Blitz nicht gemütlich. Unseren Vierbeinern störte das Wetter nicht. Wie immer ließen sie sich auf das neue Abenteuer ein. Die anfangs spürbare Erholung bei uns Menschen verdunkelte sich, denn es kam ein kräftiges Gewitter mit Hagel, Sturm und Regen auf. Wir suchten Unterschlupf auf einem Hof. Abwarten war die einzige Alternative und das zahlte sich aus. Der Regen ließ nach. Auch an diesem Tag mussten unsere Vierbeinerzeigen was in ihnen steckte, denn es ging ziemlich lange steil bergauf. Gegen Mittag erreichten wir den Jaufenpass auf 2089 m und wie schon sooft wurden wir von Wandertouristen begrüßt und bewundert. Um unser Tagesziel zu erreichen mussten wir, wie die Tage zuvor, Weideeinzäunungen öffnen und wieder schließen. Nur so kamen wir dank Festus durch, der bei solch knifflichen Herausforderungen sein Können zeigte und spontane Anerkennung dafür erhielt. Die Passstrasse nach St. Leonhard war steil und  asphaltiert. Die Pferde wurden bei solchen Straßenverhältnissen talabwärts geführt, bevor wir wieder auf weichen Boden im tiefen Gebüsch verschwanden. In Walten, direkt am Hotel Jägerhof kamen wir raus. Die Speisekarte war einladend und versprach Tiroler Schmankerl, so sollte es sein.

Der Hotelier und ein Teil seiner Gäste fand Freude an uns. Ein Foto mit Eintragung ins Gästebuch wurde gemacht. So gegen Abend  erreichten wir unser Nachtquartier, den traditionellen Haflinger-Sandhof direkt an der Herz-Jesus-Kirche mit benachbartem Freilichtmuseum. Hier wird auch heute nochder Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer auf bemalten Bildern in der Kirche geehrt.

 

Die Reittage hatten mittlerweile immer den gleichen Rhythmus. Die Pferde warteten schon, nachdem sie von Festus mit dem am Abend hergerichteten Kraftfutter für die Frühe versorgt wurden. Heute ging es Richtung Meran, Andrea versprach uns einen gemütlichen Ritt durchs Passeiertal. Jeder Quadratmeter ist hier kultiviert. Obst gedeiht hier im geschützten Klima unterhalb der Texelgruppe, und der Duft der fast reifen Äpfel begleitete uns. Wir zogen vorbei an kleinen einsamen Höfen und dann wieder an stattlichen Villen. Die Kontraste konnten nicht deutlicher sein. So ritt unsere Gruppe am frühen Nachmittag durch Meran. Bereits Napoleons Gattin und die Kaiserin Sissi kamen hierher, um sich im angenehmen Klima zu erholen. Doch an diesem Tag war alles anders. Heute erhielt unsere Wanderreitgruppe den Zuspruch und die Aufmerksamkeit. In Waldners Haflinger Hengststation, 3 km außerhalb von Meran, bezogen unsere Pferde ihr Quartier. Hier gab es eine Rarität. Eine Pferderampe führte in den Pferdestall im ersten Stock von Schloss Baslau. Obunsere Vierbeiner diese Rarität zu schätzen wussten, dass verrieten sie unsnicht.

 

Nach einer geruhsamen Nacht brachen wir auf. Wir nahmen Abschied von Elisabeth und sie bedankte sich ganz herzlich bei Nelson mit frischen Möhren und guten Äpfeln. Jutta aus Hamburg löste Elisabeth ab, sie ist eine Freundin aus Andreas  Kindheitstagen, rasch und unkompliziert freundete sie sich  mit Nelson an. Andreas von Kienlin übernahm ab hier das Trossfahrzeug und von Dieter Mayr-Kesselringder uns bis hierhin begleitete verabschiedeten wir uns.  So waren wir wieder komplett.

 

Ab hier, wurden wir von Ernst Egger, Präsident der VFS und Ortsobmann von Ulten, geführt. Er nahm mit uns Kurs auf längst vergessene Pfade über traumhafte Passagen durchs Ultental. Hier im Ultental wohnen, so sagt man und steht geschrieben, „die Erben der Einsamkeit“. Ernst erzählte aus längst vergangenen Tagen Geschichten und Legenden. So bekamen wir ein Gespür für die hier lebenden Menschen.

Irgendwann gegen Mittag, machten wir Rast. Wie aus dem nichts fuhr ein Auto vor, beladen mit Wein, Käse, Kuchen, Tiroler Salami und Speck. Der Tisch wurde gedeckt  und es blieb so gut wie kein Rest. Viele kleine Pausen und 1347 Höhenmeter lagen hinter uns als wir gegen19 Uhr unser Tagesziel den Reitverein Ulten erreichten.

Unsere Pferde fanden ihr Nachtquartier geschützt unter Bäumen.

 

Am anderen Morgen sind wir etwas früher aus den Betten gekrochen. Vor uns lagen 1407 Höhenmeter. Es ging über das Rabbijoch, 2467 m. Unser Rittführer Ernst brachte noch seinen Kumpel Loris mit, beide auf sehr stolzen Rössern. Es ging zunächst langsam aber stetig über Forstwege und Wanderpfade immer bergauf. So erreichten wir nach kurzer ZeitNicolo/Val d’ Ultimo. Hier machten wir  zu unserer Überraschung die erste Rast. Wein und Brot wurden gereicht, eine „Guten Morgen Spende“ vom Erlebnishotel Waltershof.  Weiter bergauf, vorbei an St. Gertraude, ein ursprüngliches Dorf mit beeindruckenden Häusern und Höfen. Das Ultental mitseiner Schönheit und den herzlichen Menschen erzeugte in mit den Wunschwiederzukommen.  Der Weg zum Rabbijoch verlangte von Reiter und Pferd nochmals absolute Konzentration.  Oben am Rabbijoch wurden noch schnell ein paar Fotos gemacht bevor es wieder steil abwärts ging. Unsere Pferde wurden zum Erstaunen unserer italienischen Freunde geführt. Ernst ließ eine Bemerkung los, „wir Italiener haben unsere Pferde zum Reiten“ und wohl nur aus Höflichkeit führten sie auch. Als wir unten im Tal ankamen war es bereits 16 Uhr, und vor uns lagen noch gut 18 Reitkilometer auf asphaltierter Strasse durchs Rabbital. Die vielen kleinen Pausen, so schön sie auch waren, verbrauchten die Zeit. Die Zeit bis zum Abend wurde nun knapp und so nahmen wir an, was uns Ernst und sein Kumpel empfahlen.So wurden wir mit  Pferdehängern in unser Nachtquartier nach Croviana Val di Sole gebracht. Was für ein Luxus und das ganze unkompliziert.  

 

In den letzten Tagen ging mein Gespür für die Tage verloren und ich frage nach welcher Tag heute ist,  es war Dienstag der 28.08.12. Ab hier, waren wir im Reich von Meister Petz. Geführt wurden wir von Francesco und Lodovic zwei italienische Rittführer aus der Region. Francesco und Lodovic  kannten Wege und Pfade, die auf keiner Karte zu finden sind. Überall begrüßte uns hier in der Brenta auf Schildern und bemalten Häusern der Bär. Gesehen hat ihn hier wohl schon seit Jahren keiner,aber er lebt so versicherte man uns, mit einem Schmunzeln im Gesicht. Er versteckt sich vor Wanderreitern hinter Sträuchern und Bäumen denn die mag er nicht. Dafür begegneten uns lebendige Biker, wie aus dem Nichts tauchten sie auf. Wirwaren hier im Zentrum „Dolomite di Brenta Biker“, gut 170 Kilometer Fahrvergnügen für Biker. Bär sein möchte ich hier auch nicht, so dachte ich. Unten im Tal, auf kurvenreichen Strassen, schwärmten die Motorradfahrer wie Hornissen an uns vorbei, aber unseren Pferden störte es nicht; sie blieben cool. Unsere beiden Führer machten Tempo, vorbei an alten Wasserstrassen. Gegen Mittag machten wir Rast in einem sehr schön gelegenen Refugio. Unsere Pferde standen im Schatteneines Rinderstalls. Sie genossen die kühlen Temperaturen im Stall, denn draußen brannte die Sonne in 1680 m Höhe zur Mittagszeit. Die Pause wurde wieder etwas länger als gedacht. In Madonna di Compiglio verabschiedeten sich unsere Führer. Sie fuhren mit dem Pferdehänger zurück. Am frühen Abend erreichten wir Caderzone; hier blieben wir über Nacht.

 

Am anderen Tag durften wir nochmals die Gipfel der Dolomiten mit ihrer Schönheit bewundern. Langsam wurde uns bewusst, dass der Gardasee, unser Ziel sich unaufhaltsam näherte. Die Beschilderung am Wegrand half uns dabei. Ein schmaler Höhenweg führte uns  Richtung Tione versteckt durch den Wald. Doch dann plötzlich direkt vor mir, sah ich wie die beiden Araberwallache Myztiqual und Maranello wild um sich schlugen. Ich hörte die Stimmen von Sylvia oder Ute „Tempo, Tempo!“ Schnell galoppierten wir auf dem schmalen, verwurzelten Pfad steilaufwärts durch den Wald. Dann endlich erreichten wir einen befestigten Weg. Elsa mit Birdie waren direkt hinter mir, sie hatte ihre Satteltaschen bei dem Ereignis verloren. Was war geschehen?

Die Erklärung war im Erdboden zu suchen. Erdwespen hatten die Erschütterungen der Pferdehufe als Angriff gedeutet und zogen es vor das Gleiche zu tun. Bei einigen unserer Pferdekonnten wir die Einstiche zählen. Elsa wurde recht kräftig am Hals gestochen. Muli Paco dagegen blieb cool und ohne Stiche. Vielleicht war es auch nur Glück. Jutta mit Nelson und Festus mit Potter suchten sich einen anderen Weg durch den Wald. Um die verlorene Satteltasche von Elsa zu finden, wurde ein Suchtrupp zusammengestellt. Nach gut einer Stunde war dieser Spuck vorbei, die Tasche wurde gefunden. So kamen wir an diesen Tag gegen 17 Uhr in Bondo in der Via Mezzana an.

Es war ein komfortables fast schon herrschaftliches Gästehaus. Hier blieben wir für 2 Nächte. Unsere Pferdewurden über Nacht wieder eingedeckt, denn das Wetter zeigte sich schlecht.

Beabsichtigt war, von hierausweiter zu reiten, doch Andrea ging kein Risiko ein. Nebel und zum Teil kräftiger Regen mit Blitz und Donner hielten uns hier in Bondo auf.

Telefonate mit Anke und Giovanni von der Scuderia Castello wurden getätigt. Unsere Lösung fuhr am Nachmittag in Bondo ein und unsere geplante Tour wurde ab hier verändert. Fünf Pferdegespanne nahmen unsere Vierbeiner auf und so fuhren wir  im Regen weiter nach Moerna, ein978 m hochgelegenes idyllisches Bergdorf. Unsere Pferde kamen in einemhalbfertig erstellten Rinderstall unter und wir wurden auf verschiedene Gästehäuser verteilt.

 

Tags darauf stand Giovanni von der Scuderia Castello gesattelt und zum Abritt bereit. Doch er ließ uns noch fast2 Stunden warten, denn das Wetter war wie am Vorabend immer noch nass und kalt. Der Himmel hellte sich etwas auf und Giovanni zog mit uns los, zum Teil im Dauerregen. Über historische Maultierpfade ging es auf steinigen und  rutschigen Boden durch den Wald. Zwischendurch verzogen sich die Wolken, der Blick wurde immer wieder mal frei und verschaffte uns einzigartige Ausblicke auf  längst vergessene  Dörfer und Höfe. Endlich, wir waren zum Teil gut durchnässt, erreichten wir nach 5 Stunden das Refugio Campei di Fonda, ein ehemaliges hübsch renoviertes Bauernhaus. Es ist heute im Besitz der Scuderia Castello. Giovanni verschwand in die Küche, denn hier kochte der Chef.

Unsere Pferde verbrachten die Nacht in Pferdeständern. Wir schliefen in sehr hübsch hergerichteten Zimmern und erholten uns für den letzten Tag.

 

Es ist der 01. September und unsere nassen Begleiter, Nebel und Regen vom Vortag waren verschwunden. Auf einer Anhöhe, der Blick wurde frei, lag unser Ziel, der Gardasee. Richtig freuen konnte ich mich nicht. Ich wusste, nun ist auch dieses Abenteuer fast vorbei und kurzdarauf  hörten wir heran nahendes Hundegebell. Dann stand Anke von der Scuderia Castello mit einer Gruppe von Reiterinnen und Hunden vor uns. Sie begrüßten und begleiteten uns das letzte Stück. So erreichten wir gemeinsam die Scuderia Castello in Toscolane Maderno. Nun waren wir da.

Am Nachmittag wurden die Pferdegesegnet. Paco, so vermute ich, ist Atheist denn die gesegneten Möhren wurden verschmäht. Am Abend des nächsten Tages gab der Ortsbürgermeister von Toscolano Maderno einen kleinen Empfang.

 

Er begrüßte uns mit Prosecco, bedankte sich und lud uns mit unseren Pferden für das kommende Jahr zu einem Empfang im Hafen von Maderno ein. Ein Repräsentant vom regionalen Reitverein schloss sich den freundlichen Worten des Bürgermeisters an und übergab uns eine Reitplakette als Anerkennung für die Leistungen von Pferd und Reiter. Anke und Giovanni von der Scuderia Castello übereichten den Reiterinnen und Reitern ein kleines Geschenk, ein Sweatshirt mit dem Monogramm der Scuderia Castello.

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine sehr schöne, spannende Reise mit unseren allerbesten Freunden, unseren Pferden. Sie sind die eigentlichen Akteure, denen wir soviel zu verdanken haben. Am Ende der Reise zählten wir 450 Reitkilometer mit 9000 Höhenmetern, verteilt auf 12 Reittage.

 

Und was sonst noch geschah:

Andrea hat uns während der Reise pragmatisch und dabei recht unkompliziert durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft geführt. Festus hatte mehrmals sein Können als Hufschmied bewiesen.

Zweimal mussten wir einen Tierarzt zu Hilfe rufen. Der Gründe waren menschlich verursachte Fütterungsfehler. Auch daraus habe ich gelernt. Greife niemals auf Futter zurück, das du nicht kennst. Das Schönste an dieser Reise aber war, dass alle gesund im Ziel ankamen. Es gab keinen Ersten, weil es keinen Letzten gab.

 

Gerd Krause